Jim Boyd: Reservation Bound

- © Indie Herbst 2001 -

...der Start als Solist!
© Thunderwolf Productions 1989


Erste Solo-CD des Liedermachers und Multiinstrumentalisten nach jahrelangem Mitwirken in verschiedenen Bands (bekannteste davon XIT). Aus Thunderwolf Productions wurde Anfang der 90er Thunderwolf Records, Jim Boyds eigenes Label, unter dem er bis heute veröffentlicht. Die 9 Stücke sind nicht nur von ihm geschrieben, sondern weitgehend selbst eingespielt (voc, gui, bs, kb, dr, fl), wie man an den wenigen Zusatznennungen unter den Titeln sieht. Alfonso Kolb (dr) und Jerry Stensgar (bs) wurden später Mitglieder von Boyds Band Rez Bound. Inhaltlich drehen sich die Lieder um Gefühle, die mit der indianischen Herkunft im heutigen Amerika zu tun haben, aber auch um allgemein menschliche Erfahrung wie schlechte Zeiten, schmerzliche Erinnerungen, mystische Erlebnisse oder Träume von einer besseren Welt. Musikalisch von Keyboard-Pop(?) über Blues- und Folk-Richtung bis Easy Country Style.

 

Red Blues (1)

Ein Lied, dessen Anfangsherzschlag sogleich an XIT erinnert (und nur der Anfang)... die einsetzenden Keyboard-Klänge wiederum an einen bekannten Radiohit ähnlich Vienna. Aber die vergleichsweise hohe, leicht vibrierende, etwas kehlige Stimme (wir sind keine Fachleute: Falsett...?) als auch die häufig eingesetzte Mehrstimmigkeit Boyds kennzeichnen seine Lieder sofort als 'Jim Boyd'. Man kann man ihn nicht verwechseln. Der Titel des Songs legt seinen Inhalt nahe: eine Klage über den Verlust der Kultur, den Riß durch die Zeit, den ein Indianer heute empfinden muß. Musikalisch mehr sentimental-'schöner' langsamer Keyboard-Pop denn Blues. Wortkombinationen wie 'cryin' und 'dyin' oder 'red blues' sind naheliegend, zitierfähiger finden wir
They can´t understand
The life of the Red Man
And why we just keep on fighting

 

Colville Reservation Bound (2)

bs: Jerry Sternsgar, dr: Alfonso Kolb

Ein etwas munterer Beat, über den einsamen, aber unvermeidlichen Heimweg... immer wieder zurück dahin, wo er wurzelt: auf der Colville-Indianer-Reservation. Boyd hat vermutlich nie andere als 'biographisch authentische' Lieder in seiner Laufbahn geschrieben.

 

Old Friend (3)

harmonica: Brian Ashbaugh

Boyd hat stimmlich auch eine dunkle und etwas rauhere Seite, aber es ist nie sein Gesang, der darüber entscheidet, ob wir seine Songs in Schleife laufen lassen. Der Grund liegt allein in der Musik: seine Liebe zu Pop-Harmonie und leicht verdaulicher 'glatter' Schönheit liegt uns nicht allzusehr. - In diesem Stück wird er melancholischer und packt mit Gitarre, Mundharmonika und Tambourin ein wenig das Blues- und Folkgefühl aus, mit dem er Mitte der 90er so wunderschöne Lieder gemacht hat (die Zeit der Alben Reservation Blues, Smoke Signals, First Come Last Served). Er besingt einen alten Mann, den er gekannt hat und der gestorben ist. Dem Alten stiegen immer Tränen in die dunklen Augen, wenn er an früher dachte... und:
Things he knew could bring you to your knees
Auch ein Lied gegen Ausgrenzung und Ignoranz, denn der alte Mann ist einsam gestorben.

 

Power Of The Star (4)

Monochrom glitzernde Keyboardtöne und etwas wie ein engelhafte Backgroundstimme (kb?) versuchen die mystische Naturerfahrung vor Sonnenaufgang einzufangen, um die es geht (ist aber kein Instrumental). Beschwörend-erhabener Charakter: leicht nervdrückend, kein Easy Listening.

 

Indian Boy Country Song (5)

Der Künstler und seine 6-String: glücklicherweise befällt ihn das Country-Feeling... denn ' wer sagt, daß Nashville, Memphis, John Denver oder Jerry Lee die Musik gepachtet haben und ein Indianer das nicht empfinden würde: Jeder singt über das Land, auf dem er wandert!'  Wir mögen es: Easy Indian Country Pop.

 

Falling Rain (6)

Typisch Boyd: Eröffnung ein waschechter David-Cassidy-Partridge-Family-Klang (da kennen wir uns aus)... ein böser Ohrenverzieher. Dann schiebt die - nie auch nur im leisesten durch Selbstreflektion abgelenkte - Stimme Jim Boyds die akustische Zuckerwatte beiseite wie man Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke imaginiert. Es geht auf jenem 'D' los, das bei uns eher die obere Grenze markiert, und für die zweite Stimme bewegt Boyd sich mühelos um das hohe A herum. Das Lied thematisiert missionierte, kriminalisierte, ihres Erbes beraubte Indianerseelen.

 

Writing On The Wall (7)

Ein eingängiger, leicht widerristiger Beat und eine mittlere Tonlage; gefällig, und ein kritischer Text, der sehr interessant klingt, über den Näheres zu sagen wir uns aber enthalten... mehr daß wir ahnen als verstehen. Eine folkige Nummer, eines der schönsten Stücke auf der CD.

 

Dream (8)

gui: Don Larson

Passend zum Titel ein etwas zeitlupenartiges Lied in entspannterer Tonlage (erst beim 'Erwachen' klettert sie in den eindringlichen Bereich). Beat und Tambourin wecken anfänglich wieder Erinnerungen an XIT, und das We-ya-He-la-He-ya die Assoziation Indianerpop. Aber es geht etwas tiefer als Pop: ein wenig Gänsehaut erregend, thematisch erinnernd an Lennons Imagine, dessen Zeile ...and I hope one day you´ll join us uns so gefällt: Jim Boyd gehört dem Club jedenfalls an.

 

Hard Times (9)

Dem Titel zum Trotz wird die Stimmung wieder easier als im vorherigen Lied. Das Thema jedoch nicht: Du bist außen vor geblieben und hast nicht mal gemerkt, wie lange es dir eigentlich schon dreckig geht. Du beschwerst dich nicht, du hältst immer weiter durch... aber woran liegt das Ganze eigentlich...? Schöne folkig-bluesige Nummer am unteren Ende der zwei Oktaven, die Boyd stimmlich beherrscht.

 

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